Lähmungen und neurologische Erkrankungen
- 24. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Juli

Kennst du dieses Gefühl?
Du merkst, dass ein Arm oder ein Bein sich plötzlich schwächer anfühlt, nicht mehr so gehorcht wie sonst, oder sich beim Gehen seltsam taub anfühlt. Vielleicht ist es eine Bewegung, die dir früher leichtfiel und jetzt mühsam geworden ist. Solche Veränderungen lösen verständlicherweise Verunsicherung aus. Dieser Beitrag soll dir helfen, einzuordnen, was dahinterstecken kann und vor allem, wann du wie schnell reagieren solltest.
Was bedeutet Lähmung eigentlich?
Eine Lähmung, in der Fachsprache Parese oder bei vollständigem Ausfall Plegie genannt, beschreibt eine verminderte oder komplett fehlende Fähigkeit, einen Muskel oder eine Muskelgruppe willentlich zu bewegen. Damit eine Bewegung überhaupt zustande kommt, muss ein Signal vom Gehirn über das Rückenmark und die Nerven bis zum Muskel gelangen. Ist diese Leitung irgendwo gestört, kommt das Signal nicht mehr richtig an, und die Bewegung fällt schwächer aus oder bleibt ganz aus.
Neurologische Erkrankungen, die zu Lähmungen führen können, sind sehr unterschiedlich. Dazu zählen unter anderem ein Schlaganfall, bei dem ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr durchblutet wird, Multiple Sklerose, eine chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems, das Querschnittssyndrom nach einer Rückenmarksverletzung, oder periphere Nervenschäden, etwa nach einer Bandscheibenproblematik oder einer Verletzung.
Woran erkennst du, dass etwas neurologisch nicht stimmt?
Die Anzeichen unterscheiden sich stark, je nachdem, welcher Teil des Nervensystems betroffen ist. Häufig berichten Betroffene von einer zunehmenden Schwäche in einem Arm oder Bein, die sich etwa beim Greifen, Gehen oder Treppensteigen bemerkbar macht. Auch ein verändertes Gefühl, etwa Kribbeln, Taubheit oder ein "Watte-Gefühl" in Haut und Muskulatur, kann auf eine neurologische Ursache hindeuten.
Manche Betroffene bemerken zusätzlich eine veränderte Koordination, etwa Stolpern beim Gehen, ein unsicheres Gangbild, oder Schwierigkeiten, feine Bewegungen wie das Zuknöpfen eines Hemdes auszuführen. Sprach- oder Sehstörungen, plötzlicher starker Schwindel oder ein hängender Mundwinkel sind ebenfalls Anzeichen, die auf eine neurologische Beteiligung hinweisen können.
Wann ist sofortiges Handeln notwendig?
Bei bestimmten Symptomen zählt buchstäblich jede Minute. Treten plötzlich eine Lähmung oder Schwäche in Arm oder Bein, ein hängender Mundwinkel, eine plötzliche Sprachstörung, Sehstörungen oder ein extremer, noch nie zuvor erlebter Schwindel auf, deutet das auf einen möglichen Schlaganfall hin. In diesem Fall solltest du sofort den Rettungsdienst rufen, da eine schnelle Behandlung entscheidend für die spätere Erholung ist.
Auch ein plötzlicher Kontrollverlust über Blase oder Darm zusammen mit Gefühlsstörungen im Bereich des Gesäßes und der Beine kann auf eine ernste Rückenmarksbeteiligung hindeuten und erfordert ebenfalls sofortiges ärztliches Handeln. Bei diesen Anzeichen solltest du nicht abwarten oder erst Physiotherapie in Betracht ziehen, sondern direkt den Notruf wählen.
Welche Wege führen zur Physiotherapie?
Anders als bei den bisher beschriebenen Beschwerdebildern beginnt die physiotherapeutische Behandlung bei Lähmungen und neurologische Erkrankungen meist erst nach einer ärztlichen Diagnose, oft im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt oder eine Rehabilitationsmaßnahme. Bestehen bereits seit längerem schwächere, schleichend zunehmende Symptome ohne die genannten Alarmzeichen, ist eine zeitnahe ärztliche, meist neurologische Abklärung trotzdem der erste sinnvolle Schritt, um die genaue Ursache zu finden.
Physiotherapie setzt dann an, sobald die medizinische Diagnose steht, und begleitet den weiteren Verlauf häufig über einen längeren Zeitraum.
Wie hilft Physiotherapie bei Lähmungen und neurologischen Erkrankungen?
Für die Behandlung neurologisch bedingter Bewegungsstörungen hat sich das Bobath-Konzept besonders etabliert. Dabei geht es darum, vorhandene Bewegungsressourcen gezielt zu nutzen und dem Gehirn zu helfen, gesunde Bewegungsmuster neu zu erlernen oder bestehende zu verbessern, ein Prozess, der auf der Anpassungsfähigkeit des Nervensystems beruht.
Je nach Ausgangssituation stehen ganz unterschiedliche Ziele im Vordergrund, von der Verbesserung der Rumpfkontrolle und des Gleichgewichts bis hin zum Wiedererlernen alltäglicher Bewegungen wie Aufstehen, Gehen oder Greifen. Gerätegestütztes Training kann ergänzend eingesetzt werden, um vorhandene Muskelkraft gezielt und sicher aufzubauen.
Bestehen zusätzlich Schwellungen, etwa durch eine eingeschränkte Beweglichkeit und reduzierte Muskelpumpe, kann Manuelle Lymphdrainage unterstützend hinzukommen.
Ganz entscheidend bei neurologischen Erkrankungen ist die Kontinuität der Behandlung, da sich Fortschritte hier oft über einen längeren Zeitraum und in kleinen Schritten zeigen. Eine enge Abstimmung zwischen Ärzten, Physiotherapie und, falls nötig, weiteren Therapeuten ist dabei besonders wichtig.
Wenn du oder ein Angehöriger mit den Folgen einer neurologischen Erkrankung leben und Unterstützung bei der Bewegungstherapie sucht, sind wir gerne an eurer Seite. Im Zentrum moderner Physiotherapie in Stralsund begleiten wir den Weg zurück in mehr Selbstständigkeit mit Geduld und der nötigen fachlichen Erfahrung.
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